Streik in der Wäscherei in Marsens (Fribourg)

Seit dem Freitag, 6. März 2015 streiken die Arbeiter*innen der Wäscherei von Marsens. Die Wäscherei ist heute in den Händen des Kantons, so sind die Arbeits- und Lohnbedingungen noch nach dem Personalgesetz (Loi sur le personnel) des Kantons Fribourg organisiert. Im Vergleich zu den Arbeitsbedingungen in privaten Unternehmen der Branche handelt sich um relativ gute Bedingungen.

In Marsens werden die Wäsche der Spitäler von Riaz und Fribourg, der Psychiatrie von Marsens und unterschiedlicher Alters- und Behindertenheime gewaschen. Im 2013 hatte der Fribourger Regierungsrat noch versichert, die Aktivitäten der Wäscherei auf andere Spitäler und Institutionen auszuweiten. Am 23. Februar 2015 jedoch kündigte er an, die Wäscherei solle an das private Unternehmen Blanchisseries Générales SA (LBG) übergehen. In diesem Betrieb herrschen weit schlechtere Bedingungen: Der Mindestlohn bei LBG liegt bei 3300.- CHF brutto für eine nicht qualifizierte Arbeiter*in, 3460.- CHF für eine semi-qualifizierte Arbeiter*in und 3550.- CHF für eine Gruppenverantwortliche. Für einen Grossteil der Arbeiter*innen der Wäscherei in Marsens würden sich die Lohneinbussen auf über 1000.- CHF monatlich belaufen. Zudem würden die Arbeitsbedingungen verschlechtert werden: Arbeitszeiterhöhung, Verringerung der Ferientage, Verschlechterung der Rentenbedingungen.

Der Verkauf an LBG wurde noch nicht offiziell vollzogen. Es handelt sich also um einen präventiven Streik. Die 15 Arbeiter*innen fordern, dass sie beim definitiven Verkauf der Wäscherei am privaten LBG vom Kanton in eine Stelle mit den gleichen Arbeits- und Lohnbedingungen wie bei der aktuellen Stelle übernommen werden. Erst wenn der Fribourger Regierungsrat auf diese Forderung eingeht sind die Arbeiter*innen bereit, den Streik abzubrechen und auf Verhandlungen einzugehen.

Die Stimmung am Streikposten war am Montag, 9. März relativ positiv. Seit Streikbeginn wird der Lastwagen blockiert, in dem die frische Wäsche geladen ist und in den Spitälern und Institutionen verteilt werden soll. Zudem ist am Montag ein Chauffeur früh rausgefahren, um die dreckige Wäsche des Spitals Riaz einzusammeln, ohne sie jedoch mit der frischen Wäsche zu ersetzen. Der Streikende erklärte: „Wir müssen einen minimalen Druck aufsetzen können und zeigen, dass diese Wäscherei nur unter guten Arbeitsbedingungen funktionieren kann.“

Die Arbeiter*innen werden bedingungslos von der Fribourger Sektion der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes vpod unterstützt. Die Streikbedingungen sind aber nicht sehr einfach: Die Streikenden sind in ihrer Wäscherei isoliert. Im gleichen Gebäude arbeiten zwar noch Leute in der Nahrungsvorbereitung für die Spitäler und Institutionen, die sich mit den Streikenden solidarisiert haben, aber kaum in einen Solidaritätsstreik treten werden. Doch die Erzälung einer Arbeiterin, die seit über 35 Jahren in der Wäscherei arbeitet, gibt Kraft: „In der Wäscherei herrschte vorher keine gute Stimmung, es gab viele Konflikte. Seit der Regierungsrat aber angekündigt hat, die Wäscherei zu privatisieren, sind wir uns bewusst geworden, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Das hat uns zusammengebracht und jetzt kämpfen wir alle zusammen, bis auf unsere Forderung eingegangen wird.“

Bis jetzt hat sich der Regierungsrat aber geweigert, die Arbeiter*innen in eine entsprechende Stelle einzugliedern. Damit handelt er gegen das Personalgesetz, welches den Transfert bei Stellenstreichungen in einem kantonalen Betrieb vorsieht. Und so wird der Streik weitergeführt. Am 10. März versammelten sich zur Mittagszeit ca. 100 solidarische Personen vor der Fribourger Staatskanzlei, um gegen die Entscheidung des Regierungsrates zu protestieren und um den Forderungen der streikenden Arbeiter*innen Nachdruck zu verleihen.

Die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes vpod ruft zu einer weiteren Demonstration auf, um die Streikenden weiterhin zu unterstützen und den Druck auf den Fribourger Regierungsrat zu erhöhen. Diese Demo wird am Samstag, 14. März 2015 um 14.00 Uhr stattfinden. Treffpunkt: Vorplatz des alten Bahnhofs (Ancienne Gare) in Fribourg.

Solidarität mit den streikenden Arbeiter*innen der Wäscherei in Marsens!
Solidarität mit allen Arbeiter*innen!