Archiv der Kategorie 'Deutsch'

„Herr Meyer, Sie werden die Officina nicht schliessen!“

Protesta Officina

2008 holte sich SBB-Meyer in Bellinzona eine blutige Nase, als er auf den entschlossenen Widerstand der Officina-Arbeiter gestossen war. Was für Lehren er aus dieser Erfahrung gezogen hat, weiss nur er selbst. Ob Rachegelüste, ob Unbelehrbarkeit oder eine Mischung von beiden sei dahingestellt. Tatsache ist, dass er erneut massiv provoziert. Die Reaktion der Officina hat nicht auf sich warten lassen. Die Belegschaft rief mit folgendem Flugblatt für Dienstag, 8. November zur Protestkundgebung auf:

Herr Meyer, schlagen Sie sich das aus dem Kopf! Sie werden die Officina nicht schliessen!

Die SBB-Führung verteilt derzeit einen Text mit dem Titel „Visionen und Erscheinungen im Tessin“. Nach einem Vorwort von Andreas Meyer wird die Geschichte eines fiktiven Gesprächs zwischen einem gewissen Lukas Bergmann und Giuseppe Molo erzählt. Bergmann ist an der Spitze der Schweizer Bahnen und erreicht Bellinzona am Abend des 10. Dezember 2016, dem Vorabend der Eröffnung des Gotthard Basistunnels. Beim Spaziergang durch die menschenleere „Viale Stazione“ trifft er Giuseppe Molo, der von 1877 bis 1905 Bürgermeister von Bellinzona war und eine Schlüsselrolle spielte bei der Ansiedelung jener SBB-Werkstätten, die heute die Officina von Bellinzona sind.

In diesem Dialog werden Giuseppe Molo – welcher beschrieben wird als einer, der von grosszügigen Schlucken Grappa inspiriert sei – schwerwiegende Behauptungen in den Mund gelegt: Die Tessiner werden als Leute ohne Initiativgeist dargestellt, die lediglich dazu fähig seien zu jammern, mit einer „Bettlermentalität“ („mentalità da questuanti“). Dies in der ständigen Erwartung, dass die Eliten in der Deutschschweiz eine Lösung für ihre Probleme finden und der Officina neue Aufträge besorgen.

Man könnte sich geradezu fragen, ob diese Publikation nicht eine gewisse Form von Rassismus seitens der Eliten im Norden gegenüber der Tessiner Bevölkerung enthalte.

Der einzige Zweck dieses Theaterstücks, in welchem ein gegenwärtiger, visionärer und weitsichtiger SBB-Manager (selbstverständlich in der Absicht des Auftragsgebers dieses Werkes) ein Gespräch mit einem verstorbenen Bürgermeister führt, besteht darin, unter den Tessinern den Gedanken reifen zu lassen, dass die Officina von Bellinzona verschwinden müsse.

Dabei fehlt es sogar am Mut, dies offen auszusprechen. Stattdessen lässt man lieber die Toten sprechen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Meyer hat die Abgeordneten des Tessiner Kantonsparlamentes für den 8. November um 18.00 Uhr zu einem Treffen eingeladen, um seine Visionen zu präsentieren.

Lieber Herr Andreas Meyer, statt Geld (nicht das eigene!) für unnütze und provokatorische Erzählungen auszugeben, wäre es an der Zeit, die mit den Arbeitern der Officina unterzeichneten Abkommen einzuhalten.

Arbeit nicht Provokationen!

Unsererseits rufen wir auf zur Protestkundgebung am Dienstag, 8. November, 17.45 Uhr, Bahnhof Bellinzona

Um eine Vorstellung zu bekommen, was für Sätze der Auftragsschreiber Hanspeter Gschwend seinen Protagonisten in diesem skurrilen Theaterstück in den Mund legt, haben wir einige Ausschnitte aus dem Italienischen zurück ins Deutsche übersetzt:

„Und falls derjenige, der vom Bahnhof kommt, in der Absicht ins Stadtzentrum zu gelangen, sich irrtümlich nach rechts statt nach links wendet, wird er nach wenigen Schritten innehalten. Er wird sich vor dem Gelände der Officina mit ihren anderthalb Jahrhunderte zurückliegenden Industriegebäuden befinden. Die Stadt hat eine völlig asymmetrische Entwicklung durchgemacht: links das attraktive historische Zentrum (…) und rechts Industriehallen, Lagerstätten und anonyme Peripherie. Dennoch gibt es Studien, die beweisen, dass Bellinzona mehr als andere von der neuen Eisenbahnverbindung profitieren kann.“

„Ich bin lediglich ein Mann aus anderen Zeiten, als die Tätigkeiten in der Officina in der Lage waren, Tausenden von Arbeitern eine Ausbildung zu bieten sowie die Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen. (…) Heutzutage muss sich all das nochmals ereignen, aber auf der Ebene von Dienstleistungen, Wissenschaft und Technologie, zum Beispiel Bahntechnologie…“

„Die Officina wird nun einzig und allein dann eine Zukunft mit neuen Aufträgen haben. Auch wir benötigen, wie das Tessin selbst, eine Unterhalts- und Reparaturwerkstatt. Aber die Frage ist: muss es unbedingt in Bellinzona sein? Oder könnte sie auch anderswo (…) stehen? (…) Warum sollte Bellinzona nicht ein neues, pulsierendes Bahnquartier erhalten, gleichrangig mit Zürich, Genf oder Basel?“

„Zu meiner Zeit musste man im Namen der Industrie die Gärten opfern, und heutzutage muss die Industrie zurückweichen, um Platz zu schaffen für ein modernes Stadtzentrum mit Wohnungen in unmittelbarer Bahnhofsnähe sowie Einkaufsgeschäften, Büros, Handel und Dienstleistungen, alles hier in der Nähe. (…) So werden die Reisenden, die ankommen, nicht mehr unangenehm überrascht sein von einer Stadt mit einer asymmetrischen Entwicklung, sondern sich über das blühende, pulsierende Leben sowohl rechts als auch links vom Bahnhof wundern.“

„Wenn wir nicht die Nutzung des Geländes der Officina erneuern, wird diese unweigerlich zu einem Armstumpf der Industrie werden.“

Soweit die Zitate, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassen.
Hier der Link zum Original: www.cdt.ch/ticino/cantone/165461/quell-opuscolo-ffs-che-offende-i-ticinesi.

Giù le mani dall’Officina! Giù le mani dalle fabbriche! Hände weg von der Officina! Hände weg von den Fabriken!

Officina Bellinzona: Das Ultimatum der Arbeiter

Von blossen Beteuerungen und leeren Versprechen lassen sie sich nicht länger hinhalten, die Botschaft der Arbeiter der Officina Bellinzona an die SBB-Spitze ist unmissverständlich: Bis zum 15. April müssen konkrete Schritte erfolgen, andernfalls wird die Arbeiterversammlung über die erforderlichen Massnahmen, um die Zukunft der Officina zu gewährleisten, beschliessen.

In den 2013 – nach jahrelangen Verhandlungen – abgeschlossenen Verträgen verpflichten sich die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), in ihrem Unterhaltsbetrieb in Bellinzona für ein mit den Vorjahren vergleichbares Auftragsvolumen in zu sorgen und diesem eine grössere Autonomie zu gewähren. Weder die eine noch die andere Abmachung wurde bisher eingehalten. Das Arbeitsvolumen in Bellinzona ist seither, aufgrund von Auftragsverlagerungen in andere SBB-Werkstätten, um mehr als 20 % zurückgegangen. Alle bisherigen Appelle und Protestresolutionen an die Adresse der SBB blieben ebenso erfolglos wie eine Zusammenkunft mit der SBB-Spitze im Februar 2016, an welcher auch verschiedene Tessiner Politiker_innen und Regierungsräte teilnahmen.

Wie die Dinge zurzeit stehen, will es Andreas Meyer, der oberste SBB-Verantwortliche, offenbar auf eine erneute Konfrontation ankommen lassen. Ein offener Konflikt wie 2008 scheint unver-meidlich. „Der Ball liegt bei der SBB, auf unserer Seite gibt es Entschlossenheit und Wille. Schauen wir nun, was die Antwort der SBB ist!“ Dies die Aussage von Gianni Frizzo auf die Frage des Fernsehreporters, ob Protestmassnahmen anlässlich der Eröffnung des NEAT-Basistunnels im Juni geplant seien.

Und Ivan Cozzaglio, Mitglied des Streikkomitees, meinte vielsagend, dass der Metallkeil, mit dem während des Streiks 2008 das Zufahrtsgeleise zugeschweisst worden war, auch perfekt auf die Schienen des Alp-Transit passe…

Die Kampfbereitschaft und der Durchhaltewille der Officina-Belegschaft dürften Andreas Meyer noch in lebhafter Erinnerung sein. Er ist deshalb gut beraten, rechtzeitig vor dem 15. April einzulenken. Andernfalls könnte ihm die Festlaune anlässlich der feierlichen Eröffnung des Basistunnels anfangs Juni gründlich vergehen. In der Zwischenzeit beginnt das Streikkomitee vorsorglich mit der Information und der Mobilisierung der Bevölkerung. Nächster Treffpunkt ist das traditionelle Officina-Fest am Samstag, 19. März in der legendären Pittureria.

Quellen:

CDT
TIO
RSI
Ticino-News
La regione

Bellinzona: Der Kampf der SBB-Arbeiter geht weiter!

Demo-Bauarbeiter-Officina-2008
Bauarbeiter und SBB-Arbeiter aus Bellinzona demonstrieren Anfang April 2008 gemeinsam im HB Zürich.
En avril 2008 les travailleurs du batiment et ouvriers Officine des manifestaient ensemble à Zurich.

Flyer als pdf auf Deutsch, Spanisch, Serbokroatisch und Französich:
Flyer-Officina-im-Kampf-Baudemo-Nov-15

Aus Protest gegen das Verhalten des SBB-Managements besetzten am 13. Oktober 2015 rund 200 Arbeiter der SBB-Werkstätte in Bellinzona das Regierungsgebäude. Die Tessiner Regierung sicherte ihnen Unterstützung zu und stellte in einem Brief an SBB-Boss Meyer fest, der aktuelle Auftragsrückgang könnte gegen die von der SBB unterzeichneten Verträge verstossen. Eine sehr diplomatische Formulierung!
2014 hat sich die SBB vertraglich verpflichtet, in den nächsten 5-7 Jahren für eine mit den Vorjahren vergleichbare Auftragslage in der Officina Bellinzona zu sorgen. Waren es 2012 noch 470‘000 jährliche Arbeitsstunden, so sanken diese danach auf 430‘000. Inzwischen sind es inzwischen nur noch etwa 400‘000 und für die Zukunft ist ein weiterer Rückgang auf 300‘000 geplant.
Wir erinnern uns: Im März 2008, zur gleichen Zeit als auch die Bauarbeiter für ihre Rechte kämpften, verhinderten die SBB-Arbeiter in Bellinzona mit einem 33-tägigen Streik die drohende Schliessung ihrer Werkstätten. Seither findet ein Kleinkrieg zwischen der SBB-Führung und der Officina-Belegschaft statt, der inzwischen bereits sieben Jahre dauert. Das Doppelspiel der SBB-Verantwortlichen ist stets dasselbe: Getroffene Vereinbarungen werden nicht eingehalten und man schaut, wie die Belegschaft darauf reagiert. Bereits vor vier Jahren gab es einmal den Versuch, der Officina im grösseren Stil Aufträge zu entziehen. Auf den massiven Protest der Arbeiterversammlung hin wurden diese sogleich zurückgegeben.
Auch diesmal setzen sich die Arbeiter im Industriewerk Bellinzona zur Wehr. Am 3. November 2015 versammelte sich um die Mittagszeit nahezu die gesamte Belegschaft in der legendären „Pittureria“ und stimmte einer Resolution zu, worin das Verhalten der SBB-Spitze als Provokation bezeichnet wird, für deren Folgen, welche auch immer das sein mögen, sie die Verantwortung zu tragen habe.
Erneut kämpfen die Bauarbeiter und die SBB-Arbeiter in Bellinzona zur gleichen Zeit für ihre Rechte. Das ist nicht zufällig, denn es ist der gleiche Kampf gegen die Versuche der Unternehmer und ihrer Manager, die Krise ihrer Wirtschaft auf dem Buckel der Arbeiterinnen und Arbeiter auszutragen.
Vernetzen wir die einzelnen Kämpfe! Gemeinsam sind wir stärker!

Bellinzone: la lutte des ouvriers CFF continue!
13 octobre 2015 : afin de protester contre le comportement du management des CFF environs 200 travailleurs des ateliers CFF de Bellinzone ont occupé le bâtiment du gouvernement.
Suite à cette action le gouvernement tessinois constate dans un courrier à Meyer – chef des CFF – le gouvernement tessinois constate que le recul du volume de commande des Officine di Bellinzona pourrait contredire les engagements que les CFF avais pris en 2014. Ces derniers s’étaient engagés à garantir le maintien du volume des commandes pendant 5 à 7 ans. En 2012, ce volume représentait 470 000 heures de travail. Aujourd’hui, il n’en représente plus que 400 000. Pour les années qui viennent, la baisse devrait se poursuivre jusqu’au seuil de 300 000 heures.
Pour rappel: En mars 2008 – déjà en période de lutte pour les travailleurs du bâtiment – les ouvriers CFF avait empêché la fermeture de leurs ateliers par une grève de 33 jours. Depuis, une petite guerre a lieu entre la direction des CFF et le personnel des Officine car la direction joue un double jeu: D’une part elle ne respecte pas les accords trouvés; d’autres part elle observe comment les ouvriers réagissent. Il y qua- tre ans, la direction avait déjà tenté de retirer une grande partie des commandes aux Officine. Il aura fallu la mobilisation des salariés pour faire reculer la direction.
Cette fois encore les salariés doivent se défendre. Le 3 novembre 2015, ils se sont réunis en assemblée dans la lé- gendaire “Pitureria” pour voter une résolution. Les ouvriers ont critiqué les provocations de la direction des CFF et l’ont d’ores et déjà rendu responsable des éventuelles réactions et mesures de lutte que prendront peut-être les travailleurs. Une fois de plus, les travailleurs du bâtiment et les ouvriers des CFF luttent en même temps pour leurs droits. Ce n’est pas un hasard: il s’agit d’une même lutte contre les entreprises et leurs managers qui cherchent à faire payer la crise aux salariées et salariés.
Mettons nos luttes en réseau. Ensemble nous sommes plus fort.

Streik in der Wäscherei in Marsens (Fribourg)

Seit dem Freitag, 6. März 2015 streiken die Arbeiter*innen der Wäscherei von Marsens. Die Wäscherei ist heute in den Händen des Kantons, so sind die Arbeits- und Lohnbedingungen noch nach dem Personalgesetz (Loi sur le personnel) des Kantons Fribourg organisiert. Im Vergleich zu den Arbeitsbedingungen in privaten Unternehmen der Branche handelt sich um relativ gute Bedingungen.

In Marsens werden die Wäsche der Spitäler von Riaz und Fribourg, der Psychiatrie von Marsens und unterschiedlicher Alters- und Behindertenheime gewaschen. Im 2013 hatte der Fribourger Regierungsrat noch versichert, die Aktivitäten der Wäscherei auf andere Spitäler und Institutionen auszuweiten. Am 23. Februar 2015 jedoch kündigte er an, die Wäscherei solle an das private Unternehmen Blanchisseries Générales SA (LBG) übergehen. In diesem Betrieb herrschen weit schlechtere Bedingungen: Der Mindestlohn bei LBG liegt bei 3300.- CHF brutto für eine nicht qualifizierte Arbeiter*in, 3460.- CHF für eine semi-qualifizierte Arbeiter*in und 3550.- CHF für eine Gruppenverantwortliche. Für einen Grossteil der Arbeiter*innen der Wäscherei in Marsens würden sich die Lohneinbussen auf über 1000.- CHF monatlich belaufen. Zudem würden die Arbeitsbedingungen verschlechtert werden: Arbeitszeiterhöhung, Verringerung der Ferientage, Verschlechterung der Rentenbedingungen.

Der Verkauf an LBG wurde noch nicht offiziell vollzogen. Es handelt sich also um einen präventiven Streik. Die 15 Arbeiter*innen fordern, dass sie beim definitiven Verkauf der Wäscherei am privaten LBG vom Kanton in eine Stelle mit den gleichen Arbeits- und Lohnbedingungen wie bei der aktuellen Stelle übernommen werden. Erst wenn der Fribourger Regierungsrat auf diese Forderung eingeht sind die Arbeiter*innen bereit, den Streik abzubrechen und auf Verhandlungen einzugehen.

Die Stimmung am Streikposten war am Montag, 9. März relativ positiv. Seit Streikbeginn wird der Lastwagen blockiert, in dem die frische Wäsche geladen ist und in den Spitälern und Institutionen verteilt werden soll. Zudem ist am Montag ein Chauffeur früh rausgefahren, um die dreckige Wäsche des Spitals Riaz einzusammeln, ohne sie jedoch mit der frischen Wäsche zu ersetzen. Der Streikende erklärte: „Wir müssen einen minimalen Druck aufsetzen können und zeigen, dass diese Wäscherei nur unter guten Arbeitsbedingungen funktionieren kann.“

Die Arbeiter*innen werden bedingungslos von der Fribourger Sektion der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes vpod unterstützt. Die Streikbedingungen sind aber nicht sehr einfach: Die Streikenden sind in ihrer Wäscherei isoliert. Im gleichen Gebäude arbeiten zwar noch Leute in der Nahrungsvorbereitung für die Spitäler und Institutionen, die sich mit den Streikenden solidarisiert haben, aber kaum in einen Solidaritätsstreik treten werden. Doch die Erzälung einer Arbeiterin, die seit über 35 Jahren in der Wäscherei arbeitet, gibt Kraft: „In der Wäscherei herrschte vorher keine gute Stimmung, es gab viele Konflikte. Seit der Regierungsrat aber angekündigt hat, die Wäscherei zu privatisieren, sind wir uns bewusst geworden, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Das hat uns zusammengebracht und jetzt kämpfen wir alle zusammen, bis auf unsere Forderung eingegangen wird.“

Bis jetzt hat sich der Regierungsrat aber geweigert, die Arbeiter*innen in eine entsprechende Stelle einzugliedern. Damit handelt er gegen das Personalgesetz, welches den Transfert bei Stellenstreichungen in einem kantonalen Betrieb vorsieht. Und so wird der Streik weitergeführt. Am 10. März versammelten sich zur Mittagszeit ca. 100 solidarische Personen vor der Fribourger Staatskanzlei, um gegen die Entscheidung des Regierungsrates zu protestieren und um den Forderungen der streikenden Arbeiter*innen Nachdruck zu verleihen.

Die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes vpod ruft zu einer weiteren Demonstration auf, um die Streikenden weiterhin zu unterstützen und den Druck auf den Fribourger Regierungsrat zu erhöhen. Diese Demo wird am Samstag, 14. März 2015 um 14.00 Uhr stattfinden. Treffpunkt: Vorplatz des alten Bahnhofs (Ancienne Gare) in Fribourg.

Solidarität mit den streikenden Arbeiter*innen der Wäscherei in Marsens!
Solidarität mit allen Arbeiter*innen!

[Medienmitteilung] Fünf Jahre später: Die Ruinen von Deisswil

Wir veröffentlichen eine Medienmitteilung des Arbeiters Nikola Tanaskovic, der mehr als zwei Jahrzehnte in der 2010 geschlossenen Kartonfabrik in Deisswil arbeitete und in der Folge von verschiedenster Seite gegängelt worden ist.

An alle Medienschaffende

Fünf Jahre später: Die Ruinen von Deisswil

Noch im Juni 2010 betitelten die schweizerischen Zeitungen den CS-Banker Hans-Ulrich Müller, der einige Monate vorher die ehemalige Kartonfabrik in Deisswil übernommen hatte, als „Der Retter von Deisswil“. In einem Interview mit der Berner Zeitung BZ vom 5. Juni 2010 kündete Müller an, fünf Jahre nach der Übernahme würden auf dem Areal neue Unternehmen im Bereich des Maschinenbaus und der Zulieferung tätig sein.
Ich habe selber über 20 Jahre in der Kartonfabrik in Deisswil gearbeitet. Nach der Betriebsschliessung und der Entlassung wurde ich von der „Bernapark“, die von Müller gegründet worden war, übernommen. Ich war vor allem mit Aufräumarbeiten auf dem Areal der ehemaligen Fabrik beschäftigt. Nach einiger Zeit wurde mein Einkommen im Namen der „Lohnharmonisierung“ um über 1500.- CHF gekürzt. Danach war Kurzarbeit angesagt und mein Lohn verringerte sich erneut. Vor knapp zwei Jahren wurde mir dann ein Arbeitsvertrag des Transportunternehmens Sieber, welches damals in den Räumen der ehemaligen Fabrik einquartiert war, vorgelegt. Ich hatte die Wahl: Entweder zu unterschreiben oder ich würde auch noch meine „Anstellung“ beim „Bernapark“ verlieren. Mir blieb praktisch nichts anderes übrig als zu unterschreiben. Beim Transportunternehmen musste ich Arbeiten ausüben, die ich vorher noch nie gemacht hatte, ohne Einschulung oder Grundkurs. Nach nur zwei Monaten wurde ich dann entlassen. Und genau so erging es vier weiteren Arbeitskollegen der ehemaligen Karton Deisswil. Sieber Transporte hat mittlerweile auch seinen Standort gewechselt und Deisswil verlassen. Das ganze Fabrikgelände gleicht heute vielmehr einer Ruine als einem wiederbelebten Industriestandort.
Seither bin ich arbeitslos. Ich bin 61 Jahre alt und es ist alles andere als einfach, auch nur an irgendeinen Job zu kommen. Auf 90 schriftliche Bewerbungen habe ich sage und schreibe drei schriftliche Absagen erhalten. Alle anderen Unternehmen denken nicht einmal daran zu antworten. Das RAV will mich zwar zu Computerkursen zwingen, aber was soll ich damit? Mein Vorschlag, mir einen Staplerkurs zu finanzieren, damit ich meine Chancen bei den Bewerbungen aufbessern kann, lehnen sie ab. Auch wird meine finanzielle Situation durch die Arbeitslosenkasse der Unia prekärer: Einerseits zahlt sie die Taggelder mit bis zu drei Monaten Verspätung aus, andererseits fordert sie die Rückzahlung eines Teils der Taggelder, weil ich während eines Monats in einem Zwischenverdienst ein wenig mehr als das Übliche verdient habe. Durch eine solche Haltung macht sich die gewerkschaftliche Kasse mitverantwortlich für die ruinöse Situation zahlreicher Arbeiter der ehemaligen Karton Deisswil.

Nikola Tanaskovic
netzwerk@gmx.net

Filmvorführung zum Arbeitskampf bei INNSE (Mailand) in Bern

INNSE-Bern Film
INNSE-Film Zürich

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Kampf gegen die Sparmassnahmen in Luzern

Demo Lernende Luzern

„Heißer Herbst in Luzern“, war der Titel eines Artikels in der Boulevardzeitung „Blick am Abend“ vom 2. November 2014. Was war passiert? Bereits im Sommer war aus Regierungskreisen durchgesickert, dass ein weiteres Sparpaket und auch ein Budget mit massiven Kürzungen in der November/Dezember-Session durchgedrückt werden sollten. Seit 2012 schreibt der Kanton Luzern chronisch rote Zahlen, da eine Politik der tiefen Steuern auf die kapitalistische Krise traf. Folge dieser leeren Kassen des Kantons sind jährliche Sparbemühungen.
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Einige Gedanken zum Konflikt beim Genfer Verkehrsbetrieb TPG

grève chez tpg

Am 19. November 2014 haben die Arbeiter_innen des Genfer Verkehrsbetriebs TPG zusammen mit der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV einen eintägigen Streik gegen die Kürzung der Leistungen des öffentlichen Verkehrs und gegen die Streichung von 131 Arbeitsplätzen organisiert. (mehr…)

Berichte zum Streik und zur Fabrikbesetzung der Arbeiter bei Pavatex in Fribourg

En grève!

ERSTER BESUCH (Mittwoch, 12. November 2014):
Im Folgenden werde ich kurz über meinen ersten Besuch in der besetzten Pavatex-Fabrik in Fribourg berichten.
Der Weg dahin ist ohne Auto etwas beschwerlich und fast ein wenig symbolisch, für die Situation: Man entsteigt dem Bus an der Haltestelle Charmettes, Pérolles. Mitten in einem Schul- und Universitätsgebiet. Moderne Gebäude. Alles auf Hochglanz. Dann beginnt der 20minütige Fussmarsch zur Fabrik. Von der Anhöhe läuft man hinunter Richtung Fluss, Richtung Sarine. Der Weg führt durch ein Waldgebiet. Anfangs hats noch ein Trottoir für Fussgänger, später fehlt dieses gänzlich. Erst nachdem sich die Strasse einige Male wie am Gotthard gewunden hat, kommt man ans Ziel: Die besetzte Fabrik. Ich erzähle die Geschichte, wie ich zur Fabrik fand dem Arbeiter, der auch in der Personalkommission sitzt. Er wird sie allen Leuten, die neu zum Streikposten kommen immer wieder erzählen: „Hei, da kommt einer aus Luzern! Mit dem Zug! Und er ist von Charmettes zu Fuss zur Fabrik gelaufen!“ Der Stolz steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, wie er da in seinem Blaumann vor der blockierten Fabrik steht und verschmitzt lächelt. Man würde ihn am liebsten gleich knuddeln. (mehr…)

Buchbesprechung „Clash City Workers, Dove sono i nostri. Lavoro, classe e movimenti nell’Italia della crisi.“

Das Kollektiv-Werk der Clash City Workers Dove sono i nostri („Wo sind die Unsrigen“) ist in erster Linie eine Analyse der Klassenzusammensetzung im krisengeprägten Italien. Durch die Zusammenführung von historischen Erfahrungen, statistischen Daten und Darstellungen von gewerkschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen schuf das Kollektiv einen Ratgeber für die Intervention im Klassenkampf. Doch die AutorInnen bleiben nicht bei dieser Analyse stehen. Im abschließenden Kapitel Come organizzare il conflitto? („Wie wird der Konflikt organisiert?“) bringen sie es auf den Punkt: „Wir sind nun ans Ende unserer langen Analyse der italienischen Klassenstruktur gelangt. Aber nur aus Gewohnheit nennen wir es Ende: In Wahrheit soll uns all das bis jetzt Gesagte dazu dienen, etwas Neues zu beginnen“ (S. 177). (mehr…)